Das „Miese Gedanken Syndrom“, ein Leiden, von dem man sich nur selbst heilen kann …

Wenn man will, gibt es immer was zu meckern. Das kann sich verselbständigen. Es kommt zum „miese Gedanken Syndrom“. Es gibt viele Varianten davon.  Sie haben aber alle etwas gemeinsam. Am Anfang steht eine Fehleinschätzung, was dann folgt ist Automatik.

 

Unser Körper kennt viele nützliche Automatiken, zum Beispiel die Atmung, die Verdauung und den Blutkreislauf. Es ist keine willentliche Entscheidung erforderlich zu atmen. Wenn wir willentlich in diese Automatik eingreifen kann das böse Folgen haben.

 

Es gibt aber auch Automatiken, die wir erlernt haben, das Auto- oder Rad fahren zum Beispiel. Schalten und Kuppeln oder in die Pedale treten funktioniert von allein, wenn es erstmal angestoßen ist. Trotzdem wird niemand dabei die Augen und Ohren schließen. Wenn ein Hindernis auftaucht sollte man bremsen können.

 

So ist es auch mit unserem Gehirn. Routineabläufe versucht das Gehirn zu automatisieren, aus Effizienzgründen. Es wäre aber fatal, wenn wir die Kontrolle ganz abgeben würden. Trotzdem geschieht oft genau das.

 

Die Hirnforschung hat festgestellt, dass sich jeder Mensch täglich mit ungefähr 60.000 Gedanken beschäftigt, viele davon wiederholen sich und ein guter Teil davon ist negativ.

 

Gedanken sind die Antwort auf unsere Umgebung, die alles einschließt: Freunde, Familie, Nachbarn, Arbeitskollegen, Vorgesetzte, sogar der Busfahrer und die Bedienung im Restaurant oder im Kaufhaus. Dazu kommt das Fernsehen, Zeitung, Werbung, das Wetter und was sonst noch alles jeden Tag um uns herum geschieht.

 

Ein Gedanke wird ausgelöst durch die Stimulation eines unserer Sinne und den Vergleich mit Erinnerungen und Gefühlen aus der Vergangenheit. Das geht blitzschnell, wir sind uns meist nicht bewusst über diesen Prozess. Reiz und Reaktion erfolgen automatisch. Ein Gedanke ist auf einmal da und zieht gleich den nächsten nach sich.

 

Die gute Nachricht ist, das geschieht gleichermaßen in beide Richtungen. Negativen Gedanken folgen oft noch mehr negative Gedanken, aber positive Gedanken fördern mehr positive Gedanken.

 

Wenn eine Person unter dem „Miese Gedanken Syndrom“ leidet, ist es so, als ob ein persönlicher Trainer einen permanent zusammenbrüllt. Er sagt, was man nicht tun kann oder darf, meckert an unserer äußeren Erscheinung herum, er zweifelt an unseren geistigen Fähigkeiten und macht unser Leben generell ziemlich miserabel. Im schlimmsten Fall ist es eine andauernde Tirade des Missbrauchs. Man selbst und andere werden schlecht gemacht, klein gehalten und gedanklich abgestraft. Sogar an Tagen, die eigentlich ganz gut verlaufen, kommen diese negativen Gedanken immer wieder hoch und drohen damit, alles zu verderben: Das Geschenk ist zu klein, die Liebe nicht ehrlich, die Hilfe zu aufdringlich und hinter der Aufmerksamkeit werden Hintergedanken vermutet.

 

So kann aus dem „miese Gedanken Syndrom“ schnell ein „schlechte Laune Syndrom“ werden.

 

Wenn wir ehrlich sind, werden wir alle – zumindest gelegentlich – davon befallen. Das „miese Gedanken Syndrom“ ist keine Krankheit, kann aber krank machen, wenn man sich ihm hingibt und die gleichen Gedanken immer wieder denkt. Unangenehme Gedanken ziehen einem das Herz zusammen, machen einem Stress und noch allerlei mehr.

 

Man kann sich nicht davor drücken oder andere dafür verantwortlich machen, denn die einzige Person, die die Umgebung durch ihre Wahrnehmung kreiert und damit ihre Realität schafft, ist man selbst - mit seiner Phantasie.

 

Für seine Laune(n) ist jeder selbst verantwortlich. Das ist eine weitere gute Nachricht, weil man nicht von anderen abhängig ist, wenn man seine negativen Gedanken ändern möchte.

 

Wenn wir uns erstmal bewusst werden, dass nur unsere eigene Phantasie diese Gedanken produziert, die in den meisten Fällen keine andere Grundlage haben als Ängste, Vermutungen und unvollständige oder falsche Informationen, die uns real und wirklich vorkommen, dann kann man anfangen, etwas dafür zu tun, dass diese negativen Gedanken nicht mehr unser Leben bestimmen.

 

Am besten fängt man direkt mal morgens vor dem Spiegel im Badezimmer damit an und beobachtet bewusst, was einem da so in den Sinn kommt. Die Automatik wird abgeschaltet und wir gehen erstmal in den Beobachtungsmodus. Es ist dann unter Umständen überraschend, wie viele negative Gedanken so früh am Morgen schon in unseren Köpfen herumgeistern:

Da wächst schon wieder ein Pickel auf der Nase, die Trauerränder unter den Augen werden auch immer schrecklicher, die Haare liegen wieder gar nicht, es ist so trübes Wetter draußen, wahrscheinlich wird es bald regnen, und an so einem Tag muss ich zur Arbeit laufen, weil das Auto kaputt ist, eigentlich würde ich heute am liebsten im Bett bleiben und mir die Decke über den Kopf ziehen.

 

Das Drama nimmt seinen Lauf. Es ist wie ein negativer Strudel, hat er Fahrt aufgenommen, geht es nur noch bergab. Aus einer momentanen Verstimmung wird unter Umständen eine ausgewachsene Depression.

 

Wir können an den meisten Dingen, die uns begegnen, an den Menschen, die wir treffen und am Lauf der Welt nichts ändern. Was wir ändern können ist unsere Perspektive, unsere Einstellung dazu.

 

Der erste Schritt ist eine Entscheidung: Ich will mich nicht mehr runterziehen lassen! Der Rest ist Übung, wie immer, wenn man etwas lernen möchte.

 

Es geht darum, Widerstände abzubauen. Jeder negative Gedanke spiegelt uns einen inneren Widerstand. Warum lassen wir das zu? Wenn miese Gedanken die Kontrolle über unser Leben übernehmen, dann ist es an uns, die Kontrolle zurück zu gewinnen.

 

Der Versuch, sich selbst zu belügen, funktioniert wohl nicht. Ein Pickel ist ein Pickel und trübes Wetter ist nun mal nicht sonnig. Man kann aber trotzdem „dran drehen“. Ein Pickel ist nicht der Weltuntergang. Es erwischt jeden mal und es geht auch wieder vorbei. Nach Regen kommt Sonnenschein und es gibt sowieso kein schlechtes Wetter, sondern nur unpassende Bekleidung, alles eine Frage der Betrachtung.

 

Ein gutes Rezept ist dann ein Perspektivenwechsel. Es lohnt der Versuch, einmal die andere Brille aufzusetzen. Am besten richten wir gleich morgens vor dem Spiegel unsere Aufmerksamkeit mal nur auf die positiven Gedanken, über uns selbst, über den kommenden Tag, über die Menschen und über alle Begleitumstände um uns herum.

 

Wie fühlt sich das an?

 

Ich wette, die Ausstrahlung ist eine völlig andere. Über den Tag sagen wir innerlich STOP, bei jedem negativen Gedanken, der aufkommt und wandeln ihn durch den Wechsel der Perspektive um in etwas Positives. Jeder Tag bietet die Möglichkeit, dass er besser wird, als erwartet. Wir müssen es nur erlauben. Es ist unser eigener Fokus, der darüber entscheidet, was und wie wir unsere Welt wahrnehmen.

 

Wir können dann das gleiche Phänomen beobachten, wie bei den miesen Gedanken, nur umgekehrt. Der Strudel kehrt sich um, er bringt uns nach oben.

 

Die Kontrolle unserer Gedanken ist ein Werkzeug, mit dem wir effektiv eingreifen können in eine Automatik, die wir nicht wollen. Keine schlechten Gedanken mehr zu haben wäre übermenschlich. Es wäre auch ein anderes Extrem, das dazu führen könnte, dass wir uns in eine Scheinwelt flüchten. Es geht nicht um „schönreden“ oder idealisieren. Es geht um eine gesunde Balance und darum dass wir erkennen, dass es nicht schicksalhaft ist, ein negativer, pessimistischer und nörgeliger Mensch zu sein. Wir haben immer die Wahl und wir haben immer die Möglichkeit, unseren Gedankenstrudel in die richtige – nämlich die gewollte – Richtung zu bewegen.

 

Jede Medaille hat zwei Seiten. Auf beiden Seiten liegt Wahrheit. Welche Seite wir uns anschauen möchten, entscheiden wir selbst, wenn wir uns nicht der Automatik hingeben. Wir haben immer die Wahl. Wir sind der "Chef" unserer Gedanken.

 

Das miese Gedanken Syndrom“ ist jederzeit heilbar, aber nur durch uns selbst.

 

Theo Fischer hat dazu einmal geschrieben: " Mit problematischen Gedanken ist es wie mit den Vögeln: Wir können nicht verhindern, dass sie über unsere Köpfe fliegen, aber wir können sie sehr wohl daran hindern, Nester auf unseren Köpfen zu bauen."

 


 

 

 

 

 

 

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Kommentare: 5
  • #1

    Esther (Freitag, 05 Oktober 2012 14:09)

    Top die Wette quillt. ;-)) mehr gibt es nicht zu sagen.
    Die Art und Weise wie hier etwas formuliert und erklärt wird, genial.
    Lieben Gruss

  • #2

    Nina (Samstag, 04 Mai 2013 10:39)

    Ganz wunderbar geschrieben! Danke!

  • #3

    Franz Josef Neffe (Mittwoch, 08 Mai 2013 18:04)

    Von Paul Watzlawick habe ich gelernt, dass der Mensch nicht nicht kommunizieren kann, und von Émile Coué (den Watzlawick wohl auch verstanden hat), dass der Mensch nicht nicht denken kann.
    COUÉ wurde jährlich von zehntausenden Hilfesuchenden aus aller Welt aufgesucht und zeigte und demonstrierte ihnen ihren EIGENEN EINFLUSS.
    Eigener Einfluss, das ist AUTOSUGGESTION in der hohen Qualität von COUÉ.
    Coué zeigte, dass AUTOSUGGESTION eine angeborene Kraft ist, die in uns ein Leben lang unaufhörlich wirkt und - je nach unserem Umgang damit - sehr gute oder auch sehr schlechte Wirkungen hervorbringt.
    Es gibt also für jeden von uns keine sinnvollere und wichtigere Lebensaufgabe als BESSERE AUTOSUGGESTION zu lernen.
    Unsere innere Stimme plappert unaufhörlich nach, was ihr untergejubelt = suggeriert wird. Solange wir eine innere Einstellung nicht korrigiert haben, gilt und wirkt die alte.
    Dafür mit wir mit einer STIMME ausgestattet, dass wir unser Leben neu BESTIMMEN können.
    Wer schnell und effizient lernen will, worauf es dabei ankommt, ist bei COUÉ an der richtigen Stelle.
    Gedanken sind KRÄFTE und es ist genau so, wie hier oben geschrieben wurde: Wir sind DER CHEF aller unserer Gedanken, Kräfte, Talente, ....
    In der neuen Ich-kann-Schule weiß dies jedes kleine Kind und es weiß, dass es mit seinen Kräften alles erreichen kann, wenn es sie als guter Chef gut behandelt.
    Die Kräfte brauchen Aufgaben, Ziele, Anerkennung, Interesse, Leitung. Ein guter Chef gibt sie ihnen, dann sind sie glücklich und er kann das Glück von tausenden Kräften in sich spüren.
    Werde also ein guter Chef und genieße Deinen Erfolg!
    Franz Josef Neffe

  • #4

    sisssy (Montag, 28 Dezember 2015 12:06)

    Sehr schön geschrieben

  • #5

    Cat (Dienstag, 26 April 2016 18:08)

    Ich habe selten einen so guten und treffenden Artikel über dieses Thema gelesen. Danke!

[scan] www.seele-verstehen.de

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