Weisheit, was macht sie aus …

Weisheit beschreibt eine beeindruckende Fähigkeit, die man selten beobachtet und die deshalb als großartig und erhaben, vielleicht sogar als Ehrfurcht einflößend angesehen wird.

 

Man spricht von der Weisheit des Alters, wobei allen klar ist, dass das biologische Alter kein Maßstab für Weisheit ist. Eher könnte man sagen, dass es einem nicht in die Wiege gelegt ist, sondern einer Entwicklung bedarf.

 

Was gehört also alles dazu, um Weisheit zu entwickeln?

 

Da ist zunächst einmal der Intellekt. Wer einmal einen Intelligenztest gemacht hat weiß, dass anhand der Bearbeitung von vielfältigen Aufgaben eine Aussage darüber gemacht wird. Es ist mehr als Auffassungsgabe, Logik und Gedächtnis. Deshalb geben Tests nur einen Anhaltspunkt und keinesfalls Gewissheit über die Ausprägung des Intellekts. Ich würde ihn als Fähigkeit beschreiben, Informationen miteinander in Beziehung zu setzen.

 

Intellektuelle Entwicklung braucht Vielfalt von Eindrücken, Empfindungen und Wahrnehmungen. Deshalb ist schon das Umfeld in der Jugend prägend für den Umfang der Vernetzung in unserem physischen Gehirn und damit für die Beweglichkeit, Geschwindigkeit und Kraft unseres Verstandes.

 

Wissen, also das Repertoire an Erlebnissen, Erfahrungen und daraus gewonnenen Kenntnissen ist ein weiterer Aspekt von Weisheit. Dafür ist Bildung und Ausbildung erforderlich. Lernchancen gibt es allerdings nicht nur durch Bücher und gute Lehrer, die praktische Anwendung ist ein ebenso wichtiger Bestandteil. Es gibt detailliertes und breites Wissen, beides ist nützlich im Hinblick darauf, wie man es nutzen möchte. Ignoranz, also Desinteresse an Themen oder Inhalten ist dabei ausschlaggebend für Tiefe oder Breite von Wissen. Sie ist wenn man so will, ein Auswahlinstrument.

 

Schlauheit, ist die Fähigkeit zu planen, um ein gewünschtes Ergebnis zu erzielen. Vorausschau und und die Fähigkeit zur Strategieentwicklung sind Voraussetzungen dafür. Manche nennen es auch Bauernschläue, es ist also keine akademische Laufbahn für diese Fähigkeit erforderlich, stattdessen eher eine gute Beobachtungsgabe, Beharrlichkeit und „Biss“.

 

Aufgeschlossenheit ist eine der wichtigsten und gleichzeitig oft am wenigsten ausgeprägten Fähigkeiten, die für Weisheit dazukommen sollte. Dazu ist die Bereitschaft erforderlich, angebliche Tatsachen und Fakten, die wir im Laufe eines Lebens gelernt haben, in Frage stellen zu können. Viele „Wahrheiten“ entpuppen sich im Zeitverlauf oder bei anderer Betrachtung als Halbwahrheiten oder sie sind sogar schlicht falsch. Kritikfähigkeit gegenüber übernommenen Glaubenssätzen von anderen, die oft auch bewusst manipulativ eingesetzt werden, um uns zu gängeln oder „bei der Stange“ zu halten, gehört genauso dazu, wie Selbstkritik. „Ich weiß, was ich weiß!“ ist ein Standpunkt, der Unbeweglichkeit demonstriert und damit Entwicklung verhindert.

 

Aufgeschlossenheit braucht aber auch Grenzen. Die Gefahr liegt in Leichtgläubigkeit, Naivität und Beliebigkeit. Deshalb sollte ein gutes Urteilsvermögen dazukommen. Der Verstand ist dafür ein geeignetes Werkzeug, allerdings sollte man sich nicht zum Sklaven seines Verstandes machen, sondern dieses Werkzeug als das was es ist einsetzen. Wenn wir das tun, haben wir unser Ego unter Kontrolle und lassen uns nicht von ihm dominieren.

 

Wenn wir von einer neuen, für unseren Verstand seltsamen, Vorstellung hören und wir nicht wissen, ob es einer nachhaltigen Überprüfung standhält, können wir uns erlauben, für eine Weile im Zustand der Unsicherheit darüber zu bleiben. Das ist jedoch für viele unkomfortabel, manchmal sogar unerträglich. Im Zweifel bleiben sie dann lieber bei der aus ihrer Sicht abgesicherten Auffassung. „Ich weiß es noch nicht“ ist ein Satz, der vielen schwer fällt, weil sie damit ihre Reputation gefährdet sehen. Alternativ befürchtet man, sich der Lächerlichkeit preiszugeben, wenn man etwas für möglich hält, das so gar nicht dem Zeitgeist oder dem allgemeinen Weltbild entspricht. Ohne das „vielleicht“ wäre aber kein Fortschritt und keine Entwicklung möglich.

 

Der sprichwörtliche „gesunde Menschenverstand“ wird oft bemüht in dieser Grauzone von Unsicherheit. Manchmal erscheint für uns etwas zunächst „offensichtlich wahr“ zu sein und tatsächlich stellt es sich als unbegründete Hoffnung, blindes Vertrauen oder Hirngespinst heraus. Deshalb neigen wir gern dazu, uns auf die sichere Seite zu begeben. Oft ist das richtig. Wenn wir zweimal betrogen wurden und gesagt bekommen: „Vertrau mir“, dann lassen wir es besser. Wenn ein Geschäft zu gut aussieht, um wahr zu sein, hat es möglicherweise tatsächlich einen Haken und man lässt besser die Finger davon.

 

Der Weg aus der Unsicherheit ist die Suche nach der Wahrheit. Diese beständige Suche wird allgemein anerkannt und respektiert. Jeder kennt Konfliktsituationen, für die er einen Ausweg gesucht oder eine Lösung herbeigesehnt hat. Man lässt sich dann gern davon leiten, was das Beste für einen selbst, für die Familie, den Freundeskreis oder das gesellschaftliche Umfeld ist. Man will nicht anecken  und keine Nachteile riskieren. Ernsthafte Wahrheitssuche erfordert jedoch das Verlassen der "Komfortzone", wie es gern genannt wird. Das funktioniert nur, wenn man erkannt hat, dass praktisch jedes „gesicherte Wissen“ irgendwann ersetzt wird durch ein neues, mehr zutreffendes und damit vollständigeres Modell der Wirklichkeit, dass allerdings nach dieser Regel auch nur vorübergehend existieren wird.

 

Bleibt als letzte, aber ganz wesentliche Facette von Weisheit die Intuition. Diese Facette ist eine völlig andere Form von Intelligenz. Intuition ist ein Geschenk, das wir alle haben, aber oft nicht nutzen. Wir nutzen es nicht, weil wir unserer Intuition nicht trauen. Das „Bauchgefühl“ wird oft überdeckt und gestört von den rationalen Gedanken des Verstandes, es fällt schwer, dieses Signal in all dem „Lärm“ der Gedanken und Emotionen gerade in kritischen Entscheidungssituationen, eindeutig zu identifizieren. Die Unterscheidung und die richtige Interpretation dieses Signals erfordert Übung, also „Test und Feedback“. Intuition hat nichts mit Magie oder Wunschdenken zu tun. Sie entstammt dem Kontakt zu unserem eigentlichen Selbst und das ist nicht unser Verstand. Es ist vielmehr ein „inneres Wissen“, das über die Erfahrungen in einem Leben hinausgeht. Es ist Führung durch unser „größeres Ich“, unsere Verbindung mit allem was ist. So wie Aufgeschlossenheit und Urteilsvermögen zusammenkommen müssen, so ist es auch mit Verstand und Intuition.

 

Weisheit nennen wir es, wenn alle genannten Komponenten zusammenkommen. „Weiß“ ist die Summe aller anderen Farben. Wenn dann noch Mitgefühl und Anteilnahme hinzukommen, wenn wir – wie man so sagt – unsere Gedanken „im Herzen bewegen“, bevor wir zur Tat schreiten, entwickelt sich neben der intellektuellen Weisheit auch noch die Herzensweisheit.

 

Übrigens, Weisheit muss man nicht demonstrieren, man erkennt sie. Wer sich als weise bezeichnet, widerspricht und karikiert sich damit selbst.

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