Einsamkeit,

Leiden durch Mangel an Selbstliebe ...

Zwei Zitate vorweg:

 

„Wenn Du Freundschaft mit Dir selbst schließt, bist Du nie allein“

Maxwell Maltz

 

"Auf der höchsten Bewusstseinsstufe ist der Mensch allein. Eine solche Einsamkeit kann sonderbar, ungewöhnlich, ja auch schwierig erscheinen. Törichte Menschen versuchen, sie durch die verschiedensten Ablenkungen zu vermeiden, um von diesem erhebenden zu einem niedriger gelegenen Ort zu entkommen. Weise dagegen verharren mit Hilfe des Gebetes auf diesem Gipfelpunkt."

Leo Tolstoi

Einsamkeit hat viele Facetten. Es kann als Fluch oder auch als Segen empfunden werden.

Einsamkeit ist als Empfindung eher negativ besetzt. Es ist das Gefühl, getrennt von den Mitmenschen und damit abgeschnitten  vom Leben zu sein. Dieses Gefühl kann sogar in einer Partnerschaft aufkommen, wenn die Kommunikation abreißt.

 

Wenn dieses Gefühl länger bestehen bleibt und unerwünscht ist, entsteht Leiden. Man sucht nach Veränderung und findet nicht den Weg, weil man die Ursache nicht erkennt.

 

Es beginnt mit meist mit Langeweile. Man vermisst Kontakt und Austausch und weiß mit sich allein nichts anzufangen.

 

Man wünscht sich mindestens einen Partner, bei dem man Begleitung, Ansprache, Austausch und Abwechslung sucht. Wenn das nicht klappt, kommen Selbstzweifel dazu und das Gefühl ungeliebt oder abgelehnt zu sein. Die Dynamik gewinnt an Fahrt, oft endet es in schwerer Depression.


Alleinsein ist dagegen die Bezeichnung für "mit sich allein sein". Für viele Menschen ist das oft ein unerfülltes Bedürfnis, wenn sie z. B. den ganzen Tag eingebunden sind in Aktivitäten mit anderen.

 

Für von Stress geplagte Menschen bedeutet Alleinsein ein Geschenk, ein Aufatmen, eine Pause in der Hektik des Alltags. Man will doch nur mal seine Ruhe haben.

Der Unterschied liegt also in der unterschiedlichen, persönlichen Perspektive, so dass der Mangel des einen der Überschuss des anderen sein kann, der aber auch negativ, als Mangel des Gegenteils, empfunden wird.

Der Ursprung für die Entstehung des negativen Gefühls von Einsamkeit besteht oft im Bild von sich selbst. Das Selbstwertgefühl ist angekratzt oder man glaubt den Ansprüchen von Außen nicht gerecht werden zu können. Man zweifelt an sich selbst, kann sich selbst nicht leiden, also leidet man.

 

Wenn man mit sich, seinem Körper, seinem Verstand, seiner Position im Leben oder irgendeiner Eigenschaft nicht zufrieden ist oder gar etwas davon ablehnt oder hasst, dann fühlt man sich in der Gesellschaft (nur) mit sich selbst nicht wohl. Es fühlt sich unkomfortabel an.

 

Die "gestörte" Beziehung zu sich selbst treibt dann Blüten.

 

Manchmal flüchtet man sich in die Arbeit, um nur nicht ans Nachdenken über sich selbst zu kommen. Beschäftigung ersetzt Leere, die eigentlich anders gefüllt werden möchte. Workaholics sind meist einsam. Sie unterwerfen sich selbst auferlegten Zwängen.


Dieses Gefühl der Leere ist oft nur unbestimmt, wird aber als negativ wahrgenommen. Man kann nicht mit sich allein sein, weil ja dann immer die nagenden Gedanken kommen, von denen man sich ablenken will, weil man sich nicht damit beschäftigen will, weil man sie für unabänderlich hält.

 

In vielen Fällen isoliert man sich durch diese Einstellung selbst, weil diese negativen Schwingungen von anderen unbewusst wahrgenommen werden. In Resonanz geht man nur mit Leidensgenossen, so finden sich oft "Elendsfreundschaften", die nur den Zweck haben, sich gegenseitig zu bedauern.

 

In der Gesellschaft von anderen, fröhlichen Menschen fühlt man sich dann einsam. Sie sind da, erscheinen aber nicht erreichbar zu sein oder werden aus den verschiedensten Ängsten abgelehnt. Eigentlich beneidet man sie und fällt dadurch noch mehr in Selbstmitleid.


Die Ursache für Unzufriedenheit im Leben liegt in der Perspektive. Mangelempfinden, egal ob Mangel an Gesellschaft oder auch Mangel an Zeit für sich selbst, basiert auf negativer Betrachtung des „Ist“. Es ist ein Glaubenssatz der sich dadurch, dass man unbewusst nach Beweisen für seine Richtigkeit sucht, eher noch verstärkt.


Aus dem Mangelgefühl über die eigene Persönlichkeit entstehen unter Umständen Fragen, Zweifel und Ängste. Sehen es die anderen auch so? Wie kann ich es verbergen? Wie müsste ich sein, um zu gefallen oder um attraktiv zu sein, zumindest aber um Gesellschaft zu haben?

Die Lösung für das Problem wird meist nur im Außen gesucht. Ein Partner wird ersehnt, der alles "richtet", also ausgleicht und der einen so akzeptiert, wie man ist, obwohl man es selbst nicht kann, ein hoffnungsloses Unterfangen.

 

Oft sucht man dann erfolglos körperliche Nähe, obwohl eigentlich die innere Nähe zu sich selbst fehlt. Das Außen spiegelt den inneren Konflikt.

 

Man versucht die fehlende eigene Wertschätzung durch Bestätigung und Anerkennung von Außen, die man sich von anderen ersehnt, zu kompensieren. Es ist lediglich eine Ersatzbefriedigung, eine Suche nach Ausgleich, nur eben an der falschen Stelle. 

So versucht man immer wieder, mit allen möglichen Tricks – neue Frisur, neue Klamotten, Make up und Stiling – sich so zu präsentieren, wie man glaubt, dass man für andere interessant ist, oder man wählt andere Strategien, um Aufmerksamkeit zu bekommen.

Treffen mit der Freundin oder für Männer der Stammtisch können für Stunden über Einsamkeit hinweghelfen, manchmal reicht auch ein Telefonat. Wenn man auseinandergeht ist jedoch das Gefühl der Einsamkeit wieder da, manchmal stärker als vorher, wenn man weiß, dass die anderen jetzt in ihren Beziehungen leben, die man selbst gern hätte.

 

Ein großer, gemischter Freundeskreis, idealerweise von Menschen mit gleicher "Wellenlänge", trotz unterschiedlicher Interessen, ist heute eine gute Alternative zur klassischen Zweierbeziehung, aber nur, wenn das den eigenen Bedürfnissen entspricht. Die meisten Menschen wollen beides. Es gilt in jedem Fall: "Be happy first". Nur wer mit sich selbst im Reinen, im Einklang ist, kann gute Beziehungen zu anderen knüpfen.

Wenn man nicht „man selbst“ ist, sondern nur an seiner Fassade bastelt, schlägt das meist fehl, oder hält nicht lange an.

 

Davon lässt sich vielleicht jemand auf den ersten Blick täuschen, vielleicht reicht es auch für eine oberflächliche Beziehung. Es ist jedoch für beide vertane Zeit und verschwendete Energie. Verletzte Gefühle und Liebeskummer sind die Folge, wenn man wieder mal vom Freund "sitzen gelassen" oder von der Freundin im Stich gelassen wurde. Eine Reihe von Enttäuschungen zieht sich dann wie ein roter Faden durchs Leben, oft für Frauen genauso wie für Männer..


Fakt ist, der Mensch braucht beides, Gesellschaft und Zeit für sich. Diese Bedürfnisse wechseln sich ab. Es ist nicht ein Schicksal oder eine Bestimmung, die uns einsam macht, sondern immer das Ergebnis unserer eigene Entscheidungen, die wir aufgrund unserer Glaubenssätze treffen und zum Ausdruck bringen.

Der Schlüssel liegt in einer positiven Erwartungshaltung, nicht in von Mangel geprägten und damit bedrängenden, manchmal sogar zwanghaften Hoffnungen, Wünschen und Erwartungen.

 

Eine positive Erwartungshaltung lässt alle Möglichkeiten offen mit dem Vertrauen auf ein positives Ergebnis. Erwartungen legen dagegen fest, wann und wo, durch wen und auf welche Weise ein gewünschtes Ergebnis eintreten soll.

 

Positive Erwartungshaltung wird durch die von uns willentlich gewählte Perspektive, unsere akzeptierende Einstellung zum Ist, geprägt und nicht durch Zweifel und Befürchtungen.

 

Mangel erzeugt mehr Mangel, Fülle erzeugt mehr Fülle, egal ob es sich um Gesellschaft oder um innere Ruhe handelt. Unsere Einstellung spiegelt sich in unseren Gedanken. Gedanken sind wie ein Radiosender. Wer auf der gleichen Wellenlänge liegt, empfängt ein Signal. 


Zufriedenheit beginnt bei einem selbst und mit der Annahme und Akzeptanz dessen, was ist. Widerstände dagegen verstärken nur die negativen Gefühle und führen zu entsprechender, negativer Resonanz.

 

Es macht keinen Sinn, etwas vorzutäuschen, das nicht vorhanden ist oder etwas schön zu reden, was einem nicht gefällt. Ehrlichkeit zu sich selbst hat nichts mit den Maßstäben der Gesellschaft zu tun. Authentizität kommt aus dem Innen und spiegelt sich im Außen.


Veränderungen entstehen durch eine andere Betrachtungsweise aufgrund von anderen Glaubenssätzen, nicht durch „Kosmetik“. Sind unsere Glaubenssätze von anderen übernommen, machen wir uns davon abhängig, passen wir uns ihnen an, dann kopieren wir nur das Leben von anderen. Kopien sind immer schlechter als das Original.

 

Die Entdeckung des Originals unseres Selbst und die Wertschätzung der Einzigartigkeit dieses Originals, ist vergleichbar mit einem Dachbodenfund. Es braucht liebevolle und schrittweise Freilegung des Inhalts durch Schichten von Verpackung, Staub und irreführenden Beschriftungen. Es sind nicht nur physische sondern auch mentale Schichten, die wir uns im Laufe eines Leben zugelegt haben.

 

Wenn wir unser Selbst gefunden haben und leben, sind wir im Gleichgewicht. Es herrschen kein Mangel und kein Zuviel.

[scan] www.seele-verstehen.de

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