Eifersucht,

Leiden durch falsch verstandene Liebe ...

Eifersucht ist eine Leidenschaft,
die mit Eifer sucht, was Leiden schafft.

Franz Grillparzer

 

Eifersucht ist weit verbreitet, dennoch fällt auf, dass es auch Menschen gibt, die völlig frei von diesem Leiden sind. Bemerkenswert ist wohl auch die Tatsache, dass es das Phänomen Eifersucht bei Naturvölkern und polytheistischen Gottesvorstellungen deutlich seltener auftritt.

 

"Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.", das erste der zehn Gebote aus der Bibel, übernommen aus dem Tanach der hebräischen Bibel, macht aus Gott einen eifersüchtigen Gott: "Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott: Bei denen, die mir Feind sind, verfolge ich die Schuld der Väter an den Söhnen, an der dritten und vierten Generation; bei denen, die mich lieben und auf meine Gebote achten, erweise ich Tausenden meine Huld.“

 

Zur Zeit der Entstehung des Monotheismus wurde Gott als persönlicher Gott, als "Person" empfunden, so wie die vielen Götter in anderen Religionen auch. Gefühle und Eigenschaften von Personen, wie Liebe, Hass und Eifersucht, wurden auf "Gott" und die Götter projiziert. Es war eine Epoche, in der die Erdbevölkerung überwiegend an der Schwelle vom kindlichen zum jungen Seelenalter stand.

 

Menschliche Ansprüche, wie der Alleinvertretungsanspruch einer patriarchischen Gesellschaft oder der Besitzanspruch von jungen Seelen, die beide auf dem Ego beruhen, sind so als Glaubenssätze über die Religion bekräftigt und damit verbreitet worden.

 

Monogamie ist demnach eine Kulturerscheinung, die sich parallel zum Monotheismus entwickelt hat und deren Ethik und Moral entspricht. Es sind Glaubenssätze, die wir alle von unserer Gesellschaft übernehmen und entsprechend der Prägung durch unser Umfeld zunächst für "wahr" halten.

 

Treue ist somit kein seelisches Bedürfnis, sondern ein menschliches, auch wenn Treue eine wertvolle Erfahrung für die Seele sein kann, wenn kein Zwang damit verbunden ist.

 

Eifersucht ist eine Reaktion des Egos, aus Angst, etwas teilen zu müssen, was man für sich allein beansprucht. Sie basiert auf einer frühen Form des Bewusstseins - selbst Tiere verteidigen ihr Revier und bekämpfen Rivalen um die Gunst des Sexualpartners.

 

Die Natur und ihr Bedürfnis nach Vielfalt und Ausweitung versucht dagegen ihren Samen so weit und breit wie möglich zu verteilen. Paarungsverhalten hat hier ihr Ziel. Ein Mann, der sich entsprechend seinem biologischen Trieb verhält, wird heute als gottloser Hurenbock beschimpft, eine Frau, die sich mit vielen Männern paart, ist eine Hure, Schlampe oder bekommt sonst eine abfällige Bezeichnung. Diese Menschen werden als Gefahr für den eigenen Glaubenssatz: Man kann nur eine(n) lieben, angesehen.

 

Leiden aus Eifersucht entsteht schon bei der Vermutung von "Fremdgehen", wie man es allgemein nennt oder durch das Denken allein an die Möglichkeit. Ein gegenseitiges Treueversprechen und das darauf bauende Vertrauen unterstellt jedoch auf beiden Seiten Stillstand bei der Suche nach Beziehung und negiert völlig die Möglichkeit der Veränderung von Bedürfnissen. Zweifel sind also eigentlich bei gesundem Menschenverstand vorprogrammiert.

 

Wenn jemand "rasend vor Eifersucht" ist, zeugt das von einem übergroßen Ego, das jedoch Minderwertigkeitsängste verdecken soll. Man bläht sich bildhaft auf, um größer zu erscheinen, als man ist. Ob dieses Verhalten erfolgreich ist, hängt jedoch vom Selbstbewusstsein des Kontrahenten ab.

 

Ängste sind die Ursache aller emotionalen Leiden. Wer nicht leiden will, muss also seine Angst kontrollieren und sich nicht länger von ihnen kontrollieren lassen. Der simple Rat, habe keine Erwartungen, dann wirst du nicht enttäuscht, funktioniert aber in der Regel nicht, weil in den meisten Fällen Erwartungen der Grund für die Partnersuche sind.

 

Sprachliche Norm ist es heutzutage, von „meiner Frau“ und „meinem Mann“ zu sprechen. Das besitzanzeigende Fürwort (Possessivpronomen) wird gegenseitig verwendet, auch wenn man es wohlmöglich gar nicht so meint und nicht darüber nachdenkt. "Ich gehöre zu Dir und Du gehörst zu mir" ist leicht gesagt. In dem Kontext "bis dass der Tod uns scheidet" projiziert man sein "Ist-Gefühl" auf ein "Soll-Gefühl". Eigentlich ist es gegenseitiger Freiheitsentzug. Dahinter verbirgt sich die Angst vor der eigenen Freiheit und die trügerische Sicherheit einer "vor Gott und der Welt" besiegelten Verbindung.

 

Das stattlich geförderte Kulturgut "Ehe" regelt etwas, das nicht unbedingt geregelt sein muss, wenn statt Angst, Liebe, Vertrauen, Selbstbewusstsein und gegenseitiger Respekt die Beziehung bestimmt.

 

Damit wird klar, dass das Entstehen von Eifersucht abhängig ist, von der Betrachtung einer Beziehung. Diese ändert sich in jedem Seelenalter uns so auch in jedem einzelnen Leben, wenn alle bisherigen Seelenaltersstufen sich nacheinander noch einmal manifestieren.

 

Die folgenden Aussagen sind natürlich nicht absolut zu verstehen, sie spiegeln aber eine Tendenz der Entwicklung.

 

Die neugeborene Seele hat zunächst noch gar keine Beziehungsfähigkeit. Dass neben dem Ich noch ein Du existiert, wird erst schrittweise erkannt. Sexualkontakte ergeben sich – wenn überhaupt – aus Neugier oder durch Abschauen bei anderen und es ist eines der ersten Abenteuer in diesem Seelenalter. Beziehungen machen große Angst und werden am Ende dieses Seelenalters nur eingegangen, wenn man sich überlegen fühlt und diese Dominanz auch vom Partner akzeptiert ist.

 

Die kindliche Seele fordert Treue und hält sie auch ein, nicht weil sie so zuverlässig ist, sondern weil sie Angst hat, die durch eine Beziehung gewonnene Sicherheit zu verlieren.. Regelkonformität ist eines ihrer höchsten Werte, versprochen ist versprochen, auch wenn das Leben mit dem Partner zur Hölle wird. Hier ist angstinduziertes Leiden durch die Untreue des Partners vorherrschend und noch nicht das Leiden durch Eifersucht.

 

Besitz von Personen ist spätestens seit Abschaffung der Sklaverei verpönt, trotzdem benehmen sich insbesondere junge Seelen oft so, als wäre das normal. Für sie ist auch eine Beziehung, das Herz, das sie sie gewonnen oder erobert haben, ein Teil ihres Status, wie ihr Bankkonto, ihr Haus und ihre Yacht. Mit dieser Einstellung ist Eifersucht natürlich unvermeidbar. Es gibt jedoch nur eine Scheinsicherheit, denn durch Zwang und Unterdrückung befördert man eher noch das Ende der Beziehung, besonders mit Partnern, die seelisch weiter sind. Das Leiden durch Eifersucht ist hier die Angst vor Statusverlust.

 

Für erwachsene Seelen sind Beziehungen das zentrale Thema. In der vierten internen Monade entscheidet sich für sie, ob sie den alten Glaubenssätzen weiter folgen möchten, oder ob sie zu einer anderen Betrachtungsweise und damit Handlungsmaxime gelangen, die sie selbst – und damit ist nicht das Ego gemeint – als richtiger empfinden. Es wird hier viel ausprobiert, so sind Trennungen und Scheidungsdramen an der Tagesordnung, meist ausgehend von parallelen, insbesondere sexuellen Beziehungen. Erst in den letzten Stufen dieses Seelenalters ergeben sich häufiger anhaltende und erfüllende Beziehungen, die allerdings nicht zwingend auf Ausschließlichkeit basieren müssen.

 

Die alten Seelen haben diese dramatische Phase ihrer Entwicklung hinter sich. Man redet weniger über die Liebe, man praktiziert sie. Für sie kommt es unter Umständen gar nicht erst zu Treueschwüren und Eheversprechen. Sie sehen jeden Partner als Lebensabschnittsgefährten, mit dem man im Hier und Jetzt verbunden ist, nicht mehr und nicht weniger.

 

Der Wert einer Beziehung ist wichtiger als die Dauer. Beziehungen zu anderen können bereichernd sein, es geht aber auch völlig ohne zweisame Lebenspartnerschaft. Jede fruchtbare (nicht sexuell gemeint) Beziehung wird als Geschenk empfunden. Eine Beziehung nur der Beziehung zuliebe oder um nicht allein durchs Leben zu gehen, gilt als nicht erstrebenswert.

 

Sex findet ungezwungen, zwanglos, manchmal auch spontan oder auch nur gelegentlich statt. Andere Formen des Austauschs stehen eindeutig im Vordergrund. Man ist sich selbst genug und gibt jedem die Freiheit, die man selbst auch braucht. Es gibt deshalb keinen Verrat und keinen Betrug, weil es keine Heimlichkeiten gibt. Offenheit und Aufrichtigkeit sind die Basis der Beziehung. Liebe und Wertschätzung sind immer weniger an Bedingungen und Erwartungen geknüpft. Gerade deshalb halten hier Beziehungen oft länger, sie verändern sich mit, das ist das "Erfolgsrezept".

 

In jungen Lebensjahren, in denen das Seelenalter noch nicht manifestiert ist, kann es immer noch zu „milder“ Eifersucht kommen, sie hat aber auch dann schon nicht mehr die dramatischen Konsequenzen, wie in jüngeren Seelenaltern. Die Zeiten, Karma aufzubauen, sind Vergangenheit. Man weiß, dass man zwar nicht für den Partner verantwortlich ist, wohl aber für das eigene Tun und Lassen. Das erspart Leiden durch Eifersucht, das alte Seelen nicht mehr kennen.

 

 

Ich habe hier Gründe und Ursachen von Eifersucht geschildert. Für jüngere Seelen ist das sicherlich nicht hilfreich, es gehört zu den typischen Lebenserfahrungen ihres Seelenalters. Es ist vielleicht trotzdem erhellend, wenn man weiß, warum man so ist, wie man ist, auch wenn man wenig daran ändern kann.

 

[scan] www.seele-verstehen.de

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